
1. Bericht: Von Hamburg
nach Freiburg (13.06.04 -
22.07.04)Aller Anfang
ist schwer, offiziell sollte es
am 14. Juni losgehen, doch nach
all dem Stress mit Hochzeit (am
10. Juni), Diplomarbeit,
Abschiedsparty und Wohnung
Leerräumen hatten wir wenig
Lust, die letzte Nacht in einer
leeren Wohnung zu verbringen. So
sind wir also noch am 13. Juni
abends um 19.30 Uhr von Hamburg
nach Harburg (22km) zu Freunden
geradelt. Klingt zunächst
verrückt, doch als wir dann am
nächsten Morgen in einem
richtigen Bett aufwachten und uns
an den gedeckten Tisch setzten,
wussten wir, dass das eine gute
Entscheidung gewesen war. Gleich
am ersten Tag/Abend hatten wir
auch schon die erste Panne: Ein
gerade neu montiertes Pedal
löste sich von Franziskas Rad,
dieser Montagefehler konnte zum
Glück schnell behoben werden,
und die Pedale halten seitdem.
Morgens in Harburg haben wir dann
erst einmal die Ausrüstung
überprüft und dann entschieden,
so Dinge wie den Wasserfilter
schon einmal nach Freiburg
vorzuschicken, da wir den nun
bestimmt nicht in Deutschland
brauchen würden.
Unser erstes Etappenziel sollte
also Freiburg sein, doch da wir
unterwegs noch Freunde und
Sponsoren besuchen wollten, sind
wir in einem wilden Zickzackkurs
durch Deutschland gefahren.
Zunächst sind wir über
Schneverdingen nach Hannover
gefahren, wo wir bei Helge im
Räderwerk Station gemacht haben.
Da bereits die Halterung für
Hendriks Fahrradkoffer bei einer
morgendlichen sanften Kollision
von uns beiden kaputt gegangen
war, hat Helge flugs eine geniale
neue Halterung gebaut, die
wahrscheinlich alle anderen
Verschleißteile überleben wird.
Über Wennigsen ging es dann nach
Hameln, um von dort ein Stück
auf Europas beliebtesten Radweg,
den Weserradweg zu fahren. Doch,
der Weserradweg ist in der Tat
sehr schön. In Hannoverisch
Münden ging es dann sehr
idyllisch weiter an der Fulda bis
nach Ihringshausen kurz vor
Kassel. Dort haben wir die Firma
Rohloff besucht, die noch einmal
unsere 14-Gang Nabenschaltung
überprüft und gewartet hat.
Gleichzeitig haben wir einen
Einblick in die Technik dieser
Nabe bekommen, so dass wir jetzt
wirklich vollstes Vertrauen in
diese für uns neue Technik
haben.

Bei Wind, Regen und Hagel ging
es dann quer durch das Sauerland
über Hamm weiter nach Münster.
Ja, jetzt glauben wir, dass man
im Sauerland Skifahren kann. In
Dorsten haben wir bei Freunden
unsere neuen Schwalbe Marathon
Reifen in Empfang genommen. Über
Neviges ging es weiter nach
Meerbusch. Überall haben wir bei
Freunden Station gemacht, um uns
zu verabschieden. Hiernach sind
wir dem Rhein bis Wiesbaden
gefolgt, diesen Teil hatten wir
2001 schon einmal bei unserer
Rheinradtour kennen gelernt. Dann
ging es den Main entlang bis
Kriftel kurz vor Frankfurt. In
Kriftel sitzen die genialen
Erbauer unserer Liegeräder, die
sich sogleich unserer Räder
angenommen haben und sie auf den
neuesten Stand der Technik
gebracht haben. Außerdem haben
wir uns hier endlich unsere
Magura Scheibenbremsen (Louise)
einbauen lassen. Franziska hatte
schon immer vorn am Rad das
Modell Clara gehabt, das aber
leider in Dorsten seinen Geist
aufgegeben hatte... . So frisch
getunt haben wir den Main, den
sogenannten Weißwurstäquator
überquert, um nun richtig im
Süden anzukommen.

In Darmstadt haben wir bei
einer Freundin Halt gemacht, die
uns erst einmal afrikanisch
bekocht hat, um uns richtig auf
unser eigentliches Ziel der
Reise, Afrika, einzustimmen.
Gemeinsam mit Susanne ging es
dann die Bergstrasse entlang bis
Heidelberg und weiter am Neckar
bis Ludwigsburg. Leider spielte
das Wetter nicht so mit, aber
dieser Sommer ist ja bekanntlich
in ganz Deutschland nicht so
berauschend. Susanne ist dann mit
dem Zug zurückgefahren, und wir
sind rauf auf die Schwäbische
Alb gefahren, was uns
außerordentlich gut gefallen
hat. Hier haben wir auf 820 m
nicht nur einen wohlverdienten
Ruhetag eingelegt, sondern sind
auch gleich in Laichingen bei der
Firma Magura vorbeigefahren, die
noch einmal unsere
Scheibenbremsen überprüft hat
und uns noch einmal mit der neuen
Technik bestens vertraut gemacht
hat. Inzwischen haben wir diese
Bremsen wirklich schon gut
getestet und sind begeistert vom
Bremsverhalten.

Über Tübingen ging es
zunächst weiter am Neckar
entlang. Dort haben wir auch bei
einer Rast die Bekanntschaft
einer amerikanischen Familie
gemacht: Vater mit jüngerem Sohn
auf einem Tandem, Mutter und
älterer Sohn auf Rennrädern,
die schon zum dritten Mal Europa
durchradelten. Da wir ja auch
bereits mehrere Male in den USA
waren, gab es da einen regen
Austausch, unter anderem über
Vor- und Nachteile deutscher und
amerikanischer Campingplätze. In
Horb ist Franziska dann aufgrund
des Artikels in dem Four Seasons
Magazin wiedererkannt worden!
Eine Familie aus Plauen, die
gemeinsam mit ihren vier Kindern
unterwegs war, hatte den Artikel
gelesen, das gab ein großes
Hallo. Am nächsten Tag sind wir
sogar ein kleines Stück
gemeinsam geradelt. Allmählich
wurde nun das Wetter besser,
natürlich war es zunächst sehr
schwül, weil es ja in den
letzten Tagen so viel geregnet
hatte. Dann musste nur noch der
Schwarzwald überquert werden.
Offensichtlich hatten wir uns da
eine interessante Route, die
nicht nur extrem steil beim
Anstieg war, sondern bei der
Abfahrt auch noch
Kopfsteinpflaster hatte,
ausgesucht, was natürlich in der
Fahrradkarte so nicht vermerkt
war.
Aber das ist ja immer so eine
Sache mit den Radwegen,
größtenteils müssen diese Wege
von Autofahren angelegt worden
sein. Hin und wieder sind wir
einfach auf die Straße
ausgewichen, da uns dieser Weg
schneller und besser
ausgeschildert erschien.

Nach diesem wilden
Zickzackkurs sind wir am 18. Juli
nach 1715km wohlbehalten in
Freiburg bei unseren Freunden
angekommen, die wir 1993 bei
unserer Fahrrad-Weltreise in
Usbekistan kenngelernt hatten ,
als sie selbst auf dem Weg nach
China waren. Hier ruhen wir uns
nun aus, überprüfen die
Ausrüstung und bereiten uns auf
die 2. Etappe vor.
Unsere Räder haben bis jetzt
alles gut mitgemacht, lediglich 2
Platten hatten wir. Ansonsten hat
sich die Ausrüstung bewährt,
lediglich waren wir mit unserem
Zelt nicht richtig zufrieden , so
dass wir jetzt mit einem
Ersatzzelt weiterradeln.
Gesundheitlich haben wir die
vergangenen nasskalten Wochen
auch bestens überstanden.
Hendrik ist bis jetzt sehr gut
mit seiner Diabetes
zurechtgekommen, zumal er auch
durch die tägliche intensive
körperliche Betätigung und dem
damit verbundenen sehr starken
Verbrennen des
Zuckers seinen Insulinbedarf bis
jetzt schon weit über 50 %
reduzieren konnte.
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